WEIBLICHKEIT – FRAU SEIN DÜRFEN

“Eine vernünftige Frau kocht für ihren Mann!” sagte er und zeigte auf den leeren Herd. “Weißt du, andere Männer kommen nach Hause von ihrem schweren Arbeitstag und werden verwöhnt. Was machst du? Nichts! Ich mache und tue, und was bekomme ich zurück? Nichts! Das ist doch wohl das Mindeste was man verlangen kann!” wütend zog er sich seine Jacke an und verließ das Haus. Vermutlich ging er nun auf “Nahrungssuche”. Sie vermutete, dass er wieder in das übliche Restaurant ging, wenn zuhause kein Essen bereit stand. Sicherlich hatte er einen harten Arbeitstag gehabt, dass wusste sie. Doch auch sie hatte einen anstrengenden Tag. Sie arbeitete genauso viel wie er. Vielleicht war sie es müde immer 100% zu geben. Sie fühlte sich einfach ausgelaugt. Warum verstand er sie nicht? Warum tat er so als würde er nur hart arbeiten? Warum konnte er nicht nachvollziehen, dass sie als Frau genauso ihren “Mann” stehen musste? Sie war verletzt und rasend zu gleich. Obwohl sie ihren Freund zutiefst liebte, gab es Momente an denen sie ihn am liebsten gegen die Wand klatschen wollte.
Besonders, wenn er wieder seine schlechte Laune in Form von Macho-Sprüchen an ihr ausließ. Sie erinnerte sich an eine andere Situation als sie sich in den Haaren hatten. Er war wieder einmal stinkig und war der Meinung, dass Frauen an den Herd gehören und für den Haushalt zuständig seien. Irgendwie hatte er wohl die Emanzipation verpasst. Sie hätte im Grunde nichts dagegen sich um den Haushalt zu kümmern, wenn da nicht ihr Vollzeitjob wäre. Als sie ihm mitteilte, dass sie sich liebend gern nur noch ausschliesslich um den Haushalt kümmern würde, wenn sie dann nicht mehr ihrem Job nachkommen müsste. Sie ließ ihn wissen, dass sie gern einen Vertrag vereinbaren könnten, wo sie dann von ihm eine monatliche Aufwendungspauschale erhalten würde. “Dann muss ich ja alles bezahlen! so viel verdiene ich gar nicht!” Ach, was! Dachte sie so bei sich. Eine Frau für alles haben wollen, aber “nebenbei” arbeiten sollte sie dennoch. Das war ja allerhand.

Frauen von heute warten nicht auf das Wunderbare - sie inszinieren ihre Wunder selbst.

Katharine Hepburn

Eigentlich müsste man doch meinen, dass gerade in der heutigen Zeit die Gleichberechtigung vorherrsche. Gut, die damalige Frauenbewegung hatte viel erreicht. Dennoch steckt teilweise ein fader Beigeschmack in der “Frauensache”. Obwohl es den Frauen gelungen ist, sich genau wie der Mann weiterbilden zu dürfen und einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen zu können, ist es doch Tatsache, dass sie weit mehr ihren Mann stehen muss als ein Mann es jemals müsste. Das ist eine Sache, die mich unglaublich wütend macht. Öffentlich wird lamentiert, dass Frauen und Männer gleichberechtig sind. Und warum wird es dann nicht wirklich so gelebt?

Vor Jahren war ich in der Buchhaltung und im Personalwesen tätig. Neben dem üblichen Sekretariatskram befasste man sich nicht nur mit Personalgesprächen, Bewerbungen und irgendwelchen Bestellungen, sondern auch mit den Gehältern. Mir fiel sofort auf, dass ein Mann für die gleiche Tätigkeit und Erfahrung wesentlich mehr Gehalt erhielt als eine Frau. Ich fand das echt ein starkes Stück. Da ich nicht auf den Mund gefallen bin, habe ich auf dieses Ungleichgewicht hingewiesen. Die damalige Antwort konnte ich teilweise aus Unternehmerssicht nachvollziehen, trotzdem war es gegenüber den Frauen nicht fair. “Eine Frau kann nicht so viel wie ein Mann verdienen. Wir müssen uns auf das Personal verlassen können. Eine Frau wird naturbedingt schwanger und das reißt ein großes finanzielles Loch in unsere Tasche. Für den Ausfall müssen wir für Ersatz sorgen und der kostet. Außerdem haben Frauen nicht diesen Sachverstand, den ein Mann mitbringt. Und mal ehrlich, welcher Mann will sich etwas von einer Frau sagen lassen wollen?”

So ist das also! Wir Frauen sind schuld daran, dass wir genetisch bedingt nur Kinder bekommen können und die ersten Monate “das Balg” versorgen müssen. Ich frage mich, ob wir Frauen auch so argumentiert hätten, wenn Männer dieses “Problem” gehabt hätten. Das Argument mit dem Sachverstand kann ich teilweise ebenfalls nachvollziehen. Aber auch hier spielt die Genetik eine große entscheidende Rolle. Es ist nun einmal Fakt, dass eine Frau einen komplett anderen Hormonhaushalt hat als ein Mann. Während ein Mann die geballte Ladung Testosteron im Körper mit sich trägt, welches für die typische Männlichkeit steht, besitzen Frauen lediglich einen geringen Teil an Testosteron. Aufgrund des Unterschiedes, wird hier auch das Denkverhalten beeinflusst. Männer denken geradlinig. Während Frauen hingegen vernetzt denken. Sie können etliche Gedankensprünge machen. Für Männer ist das oft verstörend, weil sie diese Gedankensprünge nicht nachvollziehen können.

Nach wie vor macht es auch Sinn, dass es diese Unterschiede gibt, denn ansonsten würde unsere Rasse vor dem Aussterben bedroht sein. Beide Geschlechter müssen lediglich akzeptieren, dass es seit Anbeginn der Menschheit diese Unterschiede gibt, die fest verankert sind in unseren Genen. Mich stört jedoch einfach die Tatsache, dass man die Genetik der Frau oft als Schwäche sieht und ihr aus dem Grunde vieles nicht zutraut. Ich vermute, wenn man ein wenig mehr Aufklärungsarbeit im Bereich Hormone und Verhalten betreiben würde, würde man auf mehr Verständnis im Alltag stoßen.

Die Welt, so wie wir sie heute erleben wurde hauptsächlich und geschichtlich gesehen von Männern geprägt. So ist es auch nachvollziehbar, dass viele Bereiche auf Männer nur zugeschnitten worden sind. Selbst im Sport und in der Medizin hat man erst später erkannt, dass es erhebliche Unterschiede zwischen Frau und Mann gibt, die es zu beachten gilt.

Bei ungleichen Bedürfnissen lösen gleiche Rechte das Problem nicht.

Stefan Fleischer

Wenn ich sage, ich möchte Frau sein dürfen, plädiere ich auf Verständnis! Ich möchte mich frei bewegen können. Ich möchte tragen können was mir beliebt, ohne anzügliche Sprüche des anderen Geschlechtes mir anhören zu müssen.

Wenn ich sage, ich möchte weiblich sein dürfen, dann so, dass das andere Geschlecht mich ernst nimmt und nicht nur meine Rundungen sieht. Der Mann soll mich als ebenbürdig anerkennen.

Wenn ich sage, ich möchte Frau sein dürfen, meine ich keineswegs die bekannten “3 K’s”! In der heutigen Gesellschaft geht es um das gleichberechtige Leben und sein düfen. Hier gelten Kinder, Küche, Kirche für beide Geschlechter insofern beide Seiten die gleiche Ausgangssituation haben.

Wenn ich sage, ich möchte weiblich sein, möchte ich aber nicht auf mein Geschlecht reduziert werden. Ich will als volles Mitglied der Gesellschaft wahrgenommen werden.

Liebe Frauen, ein Großteil von uns lebt immer noch nach dem alten Prinzip. Es muss nicht verkehrt sein, wenn beide Partner in einem gemeinsamen Leben beschlossen haben so zu leben. Jedoch ist es nicht ok, wenn der Mann es von der Frau verlangt. Es ist nicht ok, dass sie neben ihrem Beruf auch noch den kompletten Haushalt schmeisst wie  putzen, waschen, bügeln, kochen, einkaufen und die Kinder erziehen. Es ist nicht ok, dass sie 100% gibt in dem sie ihren Alltag bis ins I-Tüpfelchen durchorganisiert und gibt und gibt.

Nach all den Anstrengungen soll sie am Abend dann auch noch den Hausherrn mit großartigem Sex verwöhnen. Am besten noch im vorbereiteten Bett in traumhaften Dessous auf ihn warten. Liebe Herrn, so funktioniert das nicht. Es würde nur funktionieren, wenn viele der stetig anfallenden Aufgaben besser verteilt würden. Ich kenne eine Vielzahl an Frauen, die sich in ihrer Beziehung gefangen fühlen. Sie wollen stark sein und ofern sich für ihre Familie auf. Sie trauen sich nicht aufzubegehren.

Beide Seiten müssen jedoch lernen den anderen zu verstehen. Akzeptiere die Andersartigkeit des Partners. Aber toleriere nicht seine Ignoranz und seine engstirnige altmodische Einstellung bezüglich was Frauen- und Männersache sei. Noch im Mittelalter hatte die Frau keine wirklichen Rechte, lediglich Pflichten, die es zuerfüllen galt. Die industrielle Revolution stellte den Anfang eines Wendepunktes da. Frauen waren plötzlich gezwungen außerhalb des Hauses zu arbeiten, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können. Dennoch waren sie weiterhin für die Ordnung des Hauses und der Kindererziehung verantwortlich. Im Grunde wurde ihnen mehr Pflichten auferlegt als sie vorher hatten. Nur mehr Rechte gab es nicht. In der Vergangenheit war es die Regel, dass Frauen, Kinder und Wahnsinnige sich aus politischen Angelegenheiten herauszuhalten hatten.

Wenn ich eines im Leben gelernt habe, dann mich bei Ungerechtigkeit zu wehren. Ich rate jeder Frau, die sich gefangen in der veralteten Rolle wiederfindet, dagegen anzukämpfen. Es ist wichtig, dass wir Freiraum für uns haben dürfen. Wir wollen uns wie die Männer frei entfalten dürfen. Wir wollen mit den Männern träumen dürfen. wir wollen gemeinsam etwas schaffen. Wir sind zwei Geschlechter, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Nichtsdestotrotz funtkionieren wir gemeinsam wie ein Uhrwerk, wenn wir beide in die gleiche Richtung laufen.

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14 Comments

  • Ja, vieles kenne ich nur zu gut… Habe mir auch nen Mann geangelt, der weder bügeln noch kochen kann… Immerhin saugt er ab und an die Wohnung und putzt das Bad, aber er hat von seiner MUtter ein ganz bestimmtes Klischee vorgelebt bekommen, dass es bei mir daheim beispielsweise so nicht gab. Da war meine Mutter auch Hausfrau, aber auch, um sich um meine schwerkranke Schwester zu kümmern, nicht weil das der Traum einer jeden Frau gewesen wäre… Manchmal denke ich auch, einfach Tasche packen und weg, aber dafür all das schöne aufgeben, dass wir haben, wegen ab und an etwas Zoff?

  • Da stimme ich dir zu. Nein, weglaufen wäre auch nicht richtig. Natürlich ist es schwer bestimmte geprägte Verhaltensmuster “abzutrainieren”, doch es ist nicht unmöglich. Reden bringt ja oft bei den Herren nichts, sie müssen es sehen. Also habe ich begonnen, dass ich auch bestimmte Muster ablegen muss. Statt zu streiten oder immer mich nur aufzuregen, kaufe ich Bücher.Ratgeber! Und lasse sie provokativ auf dem Tisch liegen 😀 Fazit, er lass das Buch und versucht es umzusetzen…seitdem mag er Ratgeber. Immerhin! Wenn man schon die auf das Weib hört, dann wenigstens auf ein Buch 😉

  • wunderbarer Beitrag! Da sprichst du vermutlich sehr vielen Frauen aus der Seele mit! 🙂
    Danke für den schönen Lesestoff am Sonntag!

  • Wundervoller Artikel und kann da nur zustimmen. Leider gibt es viele Frauen, die sich so behandeln lassen. Sie fördern dieses verhalten somit indirekt auch noch, vielleicht hatte X zuerst eine Freundin die eben nicht so war, dann hat er bei Y gesehen, dass diese Frau alles macht. Und hat sich dann von A getrennt um später B zu heiraten, die perfekte Frau, deren Lebensinhalt er war…

  • Danke für dein positives Feedback. Ich stimme dir da sehr zu. Es ist dabei so wichtig, dass jeder die Eigenständigkeit wart und sich nicht fü den Mann aufgibt.

  • Ein guter Artikel! Leider gibt es scheinbar noch viele Männer (und Familien), die diese alten Ansichten teilen und danach leben. Jene, die noch nicht im 21 Jahrhundert angekommen sind und nicht wissen, dass Frauen den Männern gleichgestellt sind.
    Es ist wichtig, dass Frau sich dagegen aufgelehnt und sich nicht alles gefallen lässt.

  • Vielen Dank für dein Feedback. Ich stimme dir da zu. Obwohl wir im 21.Jahrhundert leben, gibt es in Deutschland aber auch in vielen anderen Ländern noch diese altmodische Sichtweise. Diese gilt es aufzuweichen.

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