IN WELCHE SCHUBLADE GEHÖRST DU?

Gestern hatte ich ein interessantes Gespräch mit meiner Freundin Iza. Während wir über Gott und die Welt philosophierten kamen wir auf das Thema Akzeptanz zu sprechen. Es ist nicht immer einfach eine Situation hinzunehmen. Es ist auch oft nicht leicht die Ansichten anderer Personen zu akzeptieren. Jeder Mensch hat seine eigene Wahrheit, ob richtig oder falsch mag im Auge des jeweiligen Betrachters liegen. Akzeptanz bezieht sich nicht nur auf die Meinung unserers Gegenübers, sondern auch auf die Art und Weise wie wir Menschen mit unseren Augen wahrnehmen. Ich bin mir sicher jeder von uns ist schon mehrfach dem “Schubladen-Denken” zum Opfer gefallen. Unsere Eltern, Freunde, das gesamte Umfeld und die Medien beeinflussen uns, und ohne es vielleicht zu wollen, manifestiert sich unbewusst unsere Ansicht über bestimmte Menschen. Eigentlich ist es nicht fair von uns, wenn wir eine Person bewerten, ohne sie wirklich kennengelernt zu haben. Manchmal genügt sogar ein Vorurteil von einer Freundin oder einem Arbeitskollegen und wir adaptieren diese Voreingenommenheit. Sollten wir solche Gedankengänge nicht aus unserem Kopf streichen? Wäre es nicht besser wie in Kindertagen ganz ohne Bewertung dem neuen Menschen gegenüber zu treten? Babys, Kleinkinder, Tiere und die Natur selbst nehmen alles und jeden so an wie er ist, ohne jegliches Vorurteil. Für sie gibt es weder Gut noch Böse und erst recht kein häßlich oder schön. Alles erhält die gleiche Chance. Mit dem Alter verlernen wir diese Sichtweise.

Akzeptanz ist einer der Schlüssel für ein friedliches miteinander

Strasskind

SchubladengedankenDas Gespräch mit meiner Freundin stimmte mich nachdenklich. Ich musste kurz innehalten und ließ die letzten Wochen Revue passieren. Die Erkenntnis traf mich wie ein Blitz. Erst vor kurzem in der Bahn, hatte ich zwei schlafende Landstreicher gesehen. Beide hatten es sich gemütlich auf den Doppelsitzen gemacht. Sie dösten vor sich hin. Ihre Kleidung war schmutzig und sie verströmten einen üblen Duft. Meine erste Reaktion war ekel. Ich packte die beiden Herren sofort in die Schublade “Penner” und wollte nichts mit ihnen zu tun haben. Dabei kannte ich ihre Umstände nicht. Ich stempelte diese Menschen einfach ab, weil sie nicht der “Norm” entsprachen mit denen ich sonst verkehrte. Im Nachinein fühlte ich mich schuldig, dass ich so oberflächlich gewesen war.

Iza erzählte mir von ihrer Begegnung, die sie vor einigen Wochen hatte. Sie aß gerade zu Mittag und setzte sich in der Europa Passage, einem zentralen Shopping Center, auf eine Bank. Sie genoß die Zeit und das Treiben. Kurz bevor ihre Pause beendet war, fragten sie zwei Koreanerinnen, ob sie neben ihr Platz nehmen dürften. Die freundliche Art meiner Freundin, schien die beiden Frauen mutig werden zu lassen und sie fragten sie, ob sie an Gott glaube. Zuerst schien Iza verdutzt, doch bejahte deren Frage. So kam es, dass sich ein Gespräch entwickelte und eine Verabredung folgte. Das erste Treffen schien seltsam. Denn die beiden Damen brachten eine Bibel mit und wollten daraus vorlesen und darüber sprechen. Meine Freundin schien zu Beginn skeptisch. Sie hatte bedenken, dass die Frauen einer Sekte entstammen könnten und außerdem war es ihr unangenehm, dass diese im Café in einem eher schlechten deutsch laut aus der Bibel vorlasen. Zudem teilte sie nicht einmal deren Glaubensansicht. Dennoch traf sie sich regelmäßig mit den Koreanerinnen. Mit der Zeit änderte sie ihre Sichtweise. Schliesslich hatte sie das Problem und nicht die Frauen. Sie begann zu akzeptieren. Sie hörte den Frauen zu und versuchte sie nicht von ihrer Sicht zu überzeugen. Sie nahm die beiden so wie sie waren.

Bevor du andere verurteilst und ändern willst, übe dich in Selbstreflektion

Strasskind

Schubladengedanken machenSie sagte mir, “Bedingungslose Liebe bedeutet nicht nur zu lieben, sondern auch zu akzeptieren.” Ich musste mir ihre Worte auf der Zunge zergehen lassen. Aber sie hatte verdammt noch einmal recht. Wie viel reden wir in der Gesellschaft von Akzeptanz. Es wird gepredigt, dass man andere Nationen und Religionen mit Respekt gegenüber treten solle und deren Lebensweise akzeptieren möge. Aber wenn wir schon im kleinen Umkreis, dass nicht bewerkstelligen können, wie soll es da für das große Ganze gehen? Auf Facebook hatte ich vor einiger Zeit eine Diskussion über das Thema Religion mitverfolgt. Irgendwer eröffnete das Thema “Welcher Glaube ist der Beste?” Ein Irrwitz schon an sich. Es gibt kein besser oder schlechter. Jede Glaubensrichtung an sich ist einzigartig. Dennoch haben alle eins gemeinsam. Sie glauben und stehen für die bedingungslose Liebe. Die einzigen die eine Religion in einem schlechten Licht erscheinen lassen, sind die jenigen, die die Worte nicht richtig lesen, sondern falsch interpretieren und falsch weitertragen.

In der besagten Diskussion meinte die Mehrheit der Anwesenden, dass der Islam der einzige wahre Glaube sei. Ein anderer meinte, das Christentum sei das Allerletzte. Solche Aussagen führen natürlich dazu, dass andere Personen sich in ihrem Glauben angegriffen fühlen. Ich habe mir nur gedacht, wie können angeblich Gläubige so über andere Religionen herziehen? Das zeige mir doch, dass die nicht einmal ihre eigene Religion verstanden haben. In jeder heiligen Schrift wird über die Liebe zu deinem nächsten gepredigt. Es geht um Respekt und Akzeptanz für einander. Doch in vielen Argumentationen und Handlungen kann ich davon nichts finden. Eigentlich traurig. Jede Glaubensrichtung hatte einen Ursprung. Es gibt also überhaupt keinen wahren Glauben. Wir sind ein Glaube. Nur benennen wir diesen unterschiedlich. Akzeptanz kann auch bedeuten sich für das “Fremde” zu interessieren. Akzeptanz meint Offenheit für das andere.

Schubladendenken

In jungen Jahren wurde mir das Christentum näher gebracht. Ich lernte viel aus der Bibel. Besonders gefallen hat mir das alte Testament. Die Entstehungsgeschichte der Erde hatte mich einfach fasziniert. Zu Beginn hegte ich absolut keinen Zweifel. Warum sollte man als Kind auch an der Bibel zweifeln? Im Laufe der Jahre taten sich natürlich Fragen auf. Spätestens im Biounterricht zweifelte man an der Geschichte. Wir stammen von Adam und Eva ab oder doch eher von den Affen? Die erste Frau sei aus der Rippe eines Mannes entstanden? Warum bekommen dann heutzutage Frauen überhaupt Kinder, wenn man doch neue Menschen aus der männlichen Rippe basteln konnte. Fragen über Fragen. Die Wissenschaft kolidiert mit dem Glauben. So richtig beantworten konnte noch keiner diese Fragen. Als Kind und auch noch heute hatte ich etliche Fragen. Doch wenn man keine Antwort erhält, die einen zufrieden macht, muss man lernen bestimmte Dinge einfach hinzunehmen. Es ist vergeudete Lebensmühe sich über Dinge den Kopf zu zerbrechen, die keiner im hier und jetzt beantworten kann. Die Personen, die die Antwort zur Bibel oder dem Koran haben, leben nicht mehr. Somit müssen wir uns mit den Überlieferungen zufrieden geben. Entweder wir glauben daran oder nicht. Es wäre aber verkehrt Gläubige von der Wissenschaft zu überzeugen. Genauso verhält es sich andersherum. Man kann die Menschen nicht seine eigene Wahrheit aufzwängen. Während Wissenschaftler sich alles erklären und belegen müssen anhand von Beweisen, genügt es den Gläubigen zu glauben. Wissenschaft und Spirualität hat sich oft gebissen. Ähnlich verhält es sich mit der Schulmedizin und der alternativen Medizin. Bevor wir urteilen, sollten wir einfach einmal uns in Akzeptanz üben.

Schubladengedanken habenSelbstverständlich lernt man nicht von heute auf morgen für alles Akzeptanz aufzubringen. Das würde ja an ein Weltwundergrenzen. Dennoch ist es möglich sich selbst zu trainieren. Wenn du dich einmal ganz genau beobachtest und dein tun hinterfragst, übst du Selbstreflektion. Nicht jeder ist von Natur aus in der Lage sich selbst zu reflektieren. Es erfordert einfach Übung. Vielleicht schreibst du dir dazu ein paar Fragen auf einen Bogenpapier. Man kann mit ganz banalen Dingen anfangen wie zum Beispiel “Willst du, dass man dich aufgrund deiner Herkunft und deines Aussehens hin verurteilt?” oder “Möchtest du, dass man über dich lästert?”. Die Antwort auf deine eigenen Fragen, werden bei anderen meist nicht anders ausfallen. Das heißt, wenn du das nächste Mal wieder über Fremde “herziehen” willst, schaue auf dein Bogenpapier mit den Fragen und deinen Antworten, falls es dir nicht sofort in den Sinn kommt. Stück für Stück kannst du dich selber erziehen und kontrollieren. Natürlich gibt es Ausnahmen, die vermutlich härtere Maßnahmen benötigen.

  • Mütze | New Yorker
  • Pullover| Vero Moda
  • Kette | Primark
  • Hose | Calzedonia
  • Schuhe | All Stars
  • Beutel | Dom

Akzeptanz meint sich und andere zu respetkieren

Akzeptanz bedeutet Dinge anzunehmen

Akzeptanz bedeutet Frieden zu schliessen

Akzeptanz ist einer der Schlüssel für bedingungslose Liebe

Akzeptanz steckt Menschen nicht in Schubladen

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4 Comments

  • Ich finde ein wirklich großartiger Artikel! Da hast du genau die richtigen Worte gefunden. Ich würde mir auch wünschen, dass die Gesellschaft öfter weniger schnell urteilen würde – aber da geht es wohl am schnellsten, wenn sich jeder an die eigene Nase fasst. Mir fällt es aber selbst total oft auf, wie ich unterbewusst viel zu schnell meine Meinung über eine andere Person fälle, ohne sie überhaupt zu kennen, und das finde ich eigentlich sehr schade. Da habe ich mir für die Zukunft auch vorgenommen, offener mit anderen Menschen umzugehen.

    Liebe Grüße
    Stephi von http://stephisstories.de

  • Danke schön liebe Stephi. Leider urteilen wir oft zu schnell und dabei ist doch für uns alle wesentlich schöner zuerst uneingenommen an den Menschen heranzutreten. Das gilt nicht nur für menschen, sondern kann man auf viele Dinge beziehen wzb einen Beruf, eine Wohngegend, ein Land oder auch Tiere…Ich wünsche dir einen wunderschönen Montag!

  • Liebe Svenja, dieser Artikel habe ich mit einem großen Interesse gelesen. Ich gebe dir vollkommen Recht. Man soll zuerst der Frieden mit sich selbst zu finden, sich selbst zu akzeptieren und die anderen nicht sofort verurteilen, wenn einem auf den ersten Eindruck sofort nicht etwas passt. Mit der inneren Akzeptanz kann man auch das Leben besser genießen und eher optimistische Ansicht bewahren. Dein Outfit ist wieder perfekt!!
    Lieben Gruß, Martina

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