LIKE A DIVA

„Sei die Heldin deines Lebens, nicht das Opfer.“

Nora Ephron

Like a Diva

„Wenn eine Frau sich selbst die beste Freundin ist, wird das Leben einfacher.“

Diane von Fürstenberg

Früher wollte ich immer Prinzessin werden. Heute wäre ich gern eine Diva…

Ich führte eine relativ unbeschwerte Kindtheit. Im Grunde hatte ich fast alles was man sich nur wünschen konnte. Bis meine Eltern sich an meinem 6.Lebensjahr trennten. Danach sah ich meinen Vater nicht mehr. Ich hatte einfach nicht mitbekommen, dass sich meine Eltern getrennt hatten. Wie es oft so ist, stellen Kinder fragen und natürlich wissen Erwachsene stets eine plausible Ausrede. Darin sind die Großen gut. Als ich zur Schule kam, sah ich Kinder mit Vater und Mutter. Nur ich war mit meiner Mutter alleine. Mitschüler fragten, wo denn mein Vater sei. Meine Antwort lautete stets, „Ich habe keinen Vater.“ Verwundert blickten diese mich an. Ich habe zu diesem Zeitpunkt wirklich geglaubt, dass ich keinen Vater hatte. Ich konnte mich nicht mehr an ihn erinnern.

Die Jahre vergingen ohne einen Vater an der Seite. Bis ich mein 11.Lebensjahr erreichte. Plötzlich war an der Seite meiner Mutter an neuer Mann. Dieser zog auch noch bei uns ein. Relativ spät erfuhr ich durch Zufall bei einem Gespräch, dass ich bald mein Zimmer mit einer weiteren Person – einem sogenannten Geschwisterchen – teilen müsste. Die komplette Situation war für mich zu jenem Zeitpunkt nicht einfach. Wie es denn so ist, kam eines zum anderen. Ich konnte nicht mehr normal essen, ohne ständig danach Bauchschmerzen und aufsteigende Übelkeit zu verspüren. Eine Weile schaute meine Mutter sich das an, bis beschlossen wurde einen Arzt aufzusuchen. Angeblich sei ich magersüchtig und müsste dringend auf Kur.

Diese sechswöchige Kur entpuppte sich zu meinem persönlichem Alptraum. Es gab 3 Gruppen, die in bestimmte Altersgruppen unterteilt wurden. Ich gehörte in die Gruppe der jüngsten vom Alter 8-12 Jahren. Aber auch hier wurden wir in zwei Kategorien aufgeteilt. Einmal in die Magersüchtigen und in die Fresssüchtigen. Gemeinsam sollten wir alle Speisen einnehmen. Zwei Tische standen hier bereit. An dem einen durften die Dünnen sitzen mit einem Haufen essen, und am Tisch gegenüber mussten die Übergewichtigen sitzen

mit der Hälfte an Speisen. Einige der Untergewichtigen erhielten Apetitsanreger, um überhaupt Nahrung zu sich zu nehmen. Wenn die Aufseher nicht in der Nähe waren, nahmen sich die Adipösen das Essen der Dürren. Im nachhinein kann ich hierzu kritisch anmerken, dass man das hätte anders regeln müssen. Man kann doch nicht zeitgleich diese beiden Krankheitsbilder zusammen essen lassen. Das kann doch nur nach hinten losgehen! Damit nicht genug. Ein pubertierender Zwölfjähriger stellte allen möglichen Mädchen nach. Bis ich an der Reihe war. Mit 11 Jahren hat man aber andere Dinge im Kopf als Sex oder so etwas wie Beziehungen. Eines Nachts versteckte sich der Junge in meinem Bett. Erschrocken floh ich vor ihm. Jede Nacht versuchte er es.
Bis ich der Erzieherin davon erzählte und man Abhilfe schaffte. Doch aus Zuneigung entstand Hass, und Besitzansprüche seitens des Jungen. Er begann mich zu verfolgen und riss mir an den Haaren bis meine Kopfhaut blutete. Selbst die beiden Zwillingsschwestern von ihm, mit den ich mir ein Zimmer teilen musste, verachteten und mobbten mich. Das Dreiergspann hetzte die komplette Gruppe gegen mich auf. Ich suchte Kontakt zu der etwas älteren Gruppe. Doch als mich eines der Mädchen für ihre Dienste ausnutze und mir Sachen klaute, mich dafür beschuldigte, hatte ich auch dort keine Freunde mehr zu finden. So suchte ich erneut Kontakt zu der Gruppe in der die Ältesten waren. Zu Beginn schien alles schön. Bis ich nicht mehr nur die Anzieh- und
Frisierpuppe der großen Mädchen sein wollte. Ich wollte auch einmal mich mitteilen und gern etwas spielen was mir gefiel. Das kam jedoch nicht gut an. Die Anführerin der Gruppe, stachelte alle Jungs gegen mich auf. Immer wenn ich irgendwo entlang ging, wurde ich angerempelt oder man goß einen kalten Eimer Wasser über mich aus. Ich hatte nur noch angst und fragte mich, was der Grund dafür war, dass man mich so behandelte. Was hatte ich getan oder gesagt, dass ich so etwas verdient hatte? Ich fand darauf keine Antwort. Ich war so unendlich froh als diese Kur vorbei war. Eines gute hatte die Sache, ich konnte danach wieder normal essen.

Mit 14 Jahren sah ich nach Jahren meinen Vater das erste Mal wieder. Ich verstand nicht so recht warum, dass so lange gedauert hatte. Zu Beginn war es ein komisches und fremdes Gefühl meinen Vater wiederzusehen. Es waren so viele Jahre vergangen – gemeinsam verpasste Jahre. Was wusste ich schon über sein Leben und er über meines? Während ich ohne ihn aufwuchs, hatte er eine neue Familie gefunden. Eine Frau, die  zwei Söhne mitbrachte. Diese Kinder kannten ihn besser als ich. Das tat verdammt weh. Während er regelmäßigen Kontakt zu diesen Kindenr hatte, hatten wir ein sehr unregelmäßiges Verhältnis. Erst mit meinem 18.Lebenjahr wandelte sich das und wir hatten regelmäßigen Kontakt. Dennoch war es nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich habe nie seine neue Familie kennenlernen können und war nie bei ihm zuhause gewesen. Ich habe mich jedoch nie getraut das anzuprechen. Aus Angst vor der Antwort. Ich konnte auch nicht darüber sprechen ohne, dass mir Tränen in die Augen gestiegen wären. So beließ ich es.

Während der innigeren Zeit, erhielt ich eines Tages einen Anruf als ich allein zuhause war. Dieser Anrufer drohte mir und fragte mich, ob ich meinen Vater lebendig wiedersehen möchte oder im Krankenhaus. Ich fragte, wer am Telefon sei und was das sollte, doch die Person gab mir keine Antwort. So legte ich auf. Ich wusste, dass es nur jemand aus dem Kreise meines Vaters sein konnte. Woher sollte denn die Person denn mich oder meinen Vater sonst kennen.

Dann kam der Tag X. Ich erinnere mich noch sehr genau zurück. Ich saß mit meinem Vater im Restaurant als er mir sagte, „Nach deinem Urlaub musst du mich unbdingt besuchen und wir schauen uns die Fotos dann gemeinsam von der Karibik an. Du musst auch endlich  die anderen kennenlernen.“ Ich war freudig überascht. Die Freude währte kurz. Als ich mitten in der Nacht in der Karibik landete erhielt ich einen aufgelösten Anruf meiner Mutter. Ich erfuhr, dass mein Vater einen Herzinfarkt erlitt und in ein künstliches Koma gelegt wurde. Die nächsten Tage waren mit etlichen Anrufen verbunden. Sogar die Frau meines Vaters rief mich an, ob ich nicht kommen kann. Die Situation überforderte mich. Ich wusste nicht was ich tun sollte. Mein komplett Erspartes war für diese

langersehnte Reise draufgegangen. Natürlich konnte ich einen Flug zurückbuchen und meinen Dispo ausreizen. Meine Freundinnen prüften für mich die Flugdaten. Doch war es nicht so einfach einen Flug zurück zu bekommen und die Preise waren nicht ohne. Letztendlich musste ich ausharren. Die Karibik ist nun einmal nicht um die Ecke. Stattdessen betete und hoffte ich inständig, dass es meinem Vater wieder gutgehen würde, wenn er aus dem Koma erwacht. Als ich zurück flog erfuhr ich, dass er tot ist. Sein Gehirn war zu lange ohne Sauerstoff gewesen. Wie fühlt man sich, wenn man das Gefühl hat, es war falsch nicht vor Ort gewesen zu sein? Ich fühlte mich schlecht. Ich muss versuchen Umstände zu akzeptieren, auch wenn ich die Welt oft ungerecht und als hart empfinde. 
Ich versuchte meine Gefühlswelt für mich zu sortieren. Plötzlich erfuhr ich von meiner Mutter, dass sie in der Zeitung gelesen hätte wann die Beerdigung meines Vater sei. Voll zugedröhnt mit Baldrian suchten wir die Trauerfeier auf. Ganz hinten nahmen wir in der Halle platz und hörten uns die Rede an. Alles in allem war die Veranstaltung für sich gesehen in Ordnung, aber das Gefühl, dass ich fehl am Platze war blieb. Mein Name wurde nur in einem Satz erwähnt. Ich wurde nicht persönlich über die Beerdigung oder Planung informiert. Vermutlich hatte ich selber schuld. Ich hätte den Kontakt zu der Familie suchen können. Doch das hatte ich nicht, weil ich mich seelisch nicht in der Verfassung fühlte. Ich versuchte vor der Tatsache zu fliehen. Ich musste mit dem Resultat leben.

Früher wollte ich immer Prinzessin werden. Heute wäre ich gern eine Diva…eine Prinzessin wollte ich immer werden, weil in den Märchen alles immer ein gutes Ende nimmt. Heute wäre ich gern eine Diva. Eine glamouröse Frau von Welt, die klug und besonnen den Lauf der Dinge sieht und positiv beeinflussen kann. Doch ich bin keine Diva, sondern im Herzen immer noch ein kleines verletzbares Mädchen, was versucht dem Wort erwachsen gerecht zu werden.

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4 Comments

  • Liebe Svenja,

    das ist eine sehr rührende Geschichte! Was passiert ist, tut mir unheimlich leid. Ich finde es sehr mutig, dass du so offen darüber sprichst. Auch ich hatte einen großen Verlust während eines Urlaubs zu verkraften. Es ist nicht einfach und man fühlt sich schlecht, nicht da gewesen zu sein. Auf der anderen Seite glaube ich an den Satz, alles passiert aus einem Grund. Oft können wir die Dinge rückblickend besser einordnen und auch Positives für unser Leben herausziehen. Aber es ist ein Prozess und an seinem Anfang stehen Trauer, Wut und Schuldgefühle. Ich hoffe, dass du Frieden mit diesem Teil deines Lebens machen kannst oder vielleicht auch schon gemacht hast. Fühl dich gedrückt.

    Liebst
    Eve von http://www.eveblogazine.com

  • Danke liebe Eve für deine Worte. Ich glaube auch an so etwas wie Schicksal und doch ist es oft nicht einfach. Dinge geschehen, ob man es mag oder nicht. Es ist wichtig damit sich auseinander zu setzen und Frieden damit zu schliessen. Es geht mir gut, aber natürlich habe ich manchmal noch melancholische Momente, wo ich sehr traurig bin.
    Aber wie sagt man so schön die Zeit heilt Wunden…

  • Hallo liebe Svenja,
    endlich habe ich es wieder geschafft deine inspirierende Webseite zu besuchen… und bin gleich sofort begeistert!!!! Dieses Denimkleid steht dir perfekt und das gesamte Styling ist Spitze! du siehst authentisch, cool und ultra modern aus. Schade nur, dass man es nicht mehr tragen kann, der Herbst ist definitiv angekommen. Weiter so!! Lieben Gruss Martina

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