KLEIDER MACHEN LEUTE

 

Kleider machen Leute, so sagt man. Was soll ich euch sagen? Es stimmt in der Tat. Ich erinnere mich noch genau an eine Situation mit einer Freundin. Wir waren gerade in der Stadt als Melanie ein Kleid entdeckte in das sie sich unsterblich verliebte.

„Wir müssen kurz hier hinein!“ sagte sie und schaute mit Herzchen in den Augen das Kleid im Schaufenster an.
„Bist du sicher, dass die uns so hineinlassen?“ Ich war sehr skeptisch. Wir beide waren ziemlich „casual“ angezogen. Der Laden war für unseren Look zu fein. Ich wusste, dass uns die extravagant gekleideten Verkäuferinnen sicherlich für arme Mädchen halten würden. Wie vermutet kam eine Verkäuferin auf uns zu, als sie mitbekam, dass zwei junge Damen in zerrissenen Jeans und Turnschuhen herein schneiten. Ihr misstrauischer Blick sagte schon alles. Als sie vor uns stand machte sie keinen hehl daraus was sie von uns hielt. Abschätzend musterte sie uns von oben bis unten.

„Ich glaube nicht, dass ihr euch DAS hier leisten könnt. Ich würde vorschlagen, ihr verlasst umgehend den Laden!“ Sie kam auf uns zu und machte mit einer Handbewegung klar, dass wir die Räumlichkeiten sofort zu verlassen hatten. „Das ist eine Unverschämtheit!“ ereiferte sich meine Freundin. Doch ihre Worte wurden beiseite gefegt. „Raus mit euch!“ herrschte die Verkäuferin uns an.

„Irgendwie habe ich das geahnt.“ meinte ich.
„Das ist eine absolute Frechheit von der Verkäuferin!“ schrie Melanie. „Wie kann sie anhand unserer Kleidung festmachen, ob wir das nötige Kleingeld besitzen?“ Den ganzen Heimweg über regte meine Freundin sich über die Verkäuferin auf. Ich musste ihr zustimmen. Es war wirklich allerhand uns nach unserer Kleidung zu beurteilen. Anscheinend hatte sie noch nicht mitbekommen, dass zerrissene Jeans derzeit trend sind und nicht für Armut stehen. Wir sahen nun wirklich nicht aus wie Straßenmädchen.

„Weißt du was!“ plötzlich glänzten Melanies Augen. „Wir ziehen uns jetzt richtig edel an und gehen noch einmal dahin!“
„Willst du immer noch das Kleid haben?“
„Nee, aber ich will es der blöden Kuh heimzahlen!“
„Meinst du nicht, die erkennt uns wieder?“
„Nö, so eine guckt nur auf die Kleidung!“

Daheim bei meiner Freundin schmissen wir uns also so richtig in Schale. Das passende Make up legte wir ebenso auf.

„Jetzt übertreibst du aber!“ meinte ich. Melanie stand vor mit einer großen Gucci Sonnenbrille und einem riesigen Hut. Passend dazu ein Kleid und einen Mantel. Natürlich alles vom Designer. „Du siehst aus wie eine Geheimagentin aus einem alten James Bond Film, aber auch wie so eine reiche Bitch. „Um so besser!“ flötete sie. Nachdem ich mir auch etwas piekfeines übergeworfen hatte, ging es Richtung Boutique. Die Verkäuferin erblickte uns. Plötzlich strahlte sie über das ganze Gesicht. Sie witterte Scheine. Dann kam sie mit ausgebreiteten Armen auf uns zu.

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„Was kann ich für Herschaften tun?“ erwartungsvoll schaute sie uns an. Verrückt! Sie erkannte uns wirklich nicht. Dabei waren gerade mal 2 Stunden ins Land gegangen. „Ich bin auf der Suche nach einem Abendkleid.“ Sagte meine Freundin in einem etwas gelangweilten Tonfall. „Ich bin sicher wir haben da etwas passendes für sie da.“ „Zeigen sie mir ihre besten Kleider. Ich warte in der Umkleidekabine!“ schnurstracks stackste Melanie auf ihren Higheels Richtung Umkleide. „Welche Größe darf es denn sein?“ erkundigte sich die Verkäuferin. Mit einem Blick der zu sagen schien, sieht man das etwa nicht, sagte Melanie. „Ich bin eine 36. Das sieht man doch!“ dann zog sie den Vorhang zu. Währenddessen machte ich es mir auf einem Stuhl bequem und wartete. „Tadaaa!“ Mit einem Ruck öffnete sich der Vorhang. Das Spiel mit dem Vorhang zog sich ungefähr 60 Minuten hin. Melanie hatte bestimmt nahezu alle Abendkleider durch den der Laden zu bieten hatte.

Ein Kleid war schöner als das andere. Zwischendurch rieselte es Komplimente von der Verkäuferin. Es war klar, dass sie unbedingt Provision machen wollte. Doch da hatte sie die Rechnung ohne Melanie gemacht. „Wissen sie…“ begann Melanie. „Ich glaube ich nehme keines der Kleider.“ Enttäuschung blitzte in den Augen der Verkäuferin auf. „Wieso denn nicht? Eines umschmeichelte schöner als das andere ihre Figur!“ Der Versuch blieb…Bevor wir den Laden verliessen, drehte Melanie sich noch einmal um. „Wissen Sie, als wir in Jeans hereinkamen haben Sie uns hinaus gejagt. Jetzt, wo wir in Designerkluft vor Ihnen stehen, da wollten Sie uns bedienen. Sie sollten sich schämen Leute nach dem Äußeren zu beurteilen. Der Schein kann trügen. Das ist der Grund, weshalb ich in diesem Laden nichts kaufen werde!“

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