IRGENDWANN ERWISCHT ES DEN EINEN ODER ANDEREN #BANDSCHEIBENVORFALL!

Schmerz ist ein guter Erzieher

Friedrich Löchner

Irgendwann erwischt es den einen oder anderen #Bandscheibenvorfall!

Bandscheibenvorfall? Was ich? Ich doch nicht! Ich mache doch total viel Sport! Pustekuchen! Mich erwischte sogar ein doppelter Bandscheibenvorfall. In meinem Umfeld konnte das erst einmal keiner glauben. Die Reaktion wie üblich, „Du machst doch total viel Sport! Wie kann das sein?“ oder „Du bist doch noch gar nicht in dem Alter! Du bist doch noch viel zu jung für sowas!“ Mittlerweile dürfte aber bekannt sein, dass ein Bandscheibenvorfall nicht unbedingt etwas mit dem Alter zu tun hat. Es kann, wie man sieht, jeden treffen. Ja, auch sogar Menschen die viel Sport betreiben.

Wie kam es dazu überhaupt?

Wie immer ging ich 3 bis 4 x die Woche zu meinen üblichen Sportkursen. Ich hatte eine gute Kombination gefunden aus verschiedenen Kursen. Ich besuchte Workouts, Rücken Fit Kurse, BBRP, Kick Fit oder auch gern genannt Box Power, Yoga, Pilates oder Cardio Kurse. Zusätzlich fuhr ich einmal die Woche per Rad zu meinem Gitarrenkurs. Hin und zurück benötige ich ca 90 Minuten. Wenn ich dann noch Lust und Laune hatte bin ich joggen gegangen. Dann geschah der Vorfall mitten im Kick Fit Kurs. Ich spürte ein leichtes Rückenziehen. Natürlich habe ich mir nichts weiter gedacht. Nach einigen Tagen wurde das Leiden deutlich schlimmer. Zu Beginn nahm ich an, ich hätte starken Muskelkater. Aber als 1,5 Wochen vergangen waren und ich kaum noch zu stehen oder zu sitzen wagte, entschloss ich mich einen Arzt aufzusuchen. Zuerst graste ich Ärzte in der City ab. Da mein Arbeitsplatz in der Hafencity ist, dachte ich, dass wäre am einfachsten. Leider wollte mich keiner kurzfristig sehen. Obwohl ich akkut litt. Gott sei Dank gibt es Mama! Dank ihr hatte ich sofort einen Termin erhalten. Nach einer gründlichen Untersuchung und einem Kernspin war die Sache glasklar. Doppelter Bandscheibenvorfall, Verspannungen, schiefe Haltung und etliche Blockaden.

Wie entsteht denn ein Bandscheibenvorfall überhaupt?

Ein Bandscheibenvorfall kann durch Verschleiß entstehen. Bei einigen Menschen tauchen diese Abnutzungsspuren früher auf als bei anderen, deshalb kann man es nicht unbedingt an dem Alter festmachen. Aber am häufigsten wird ein Bandscheibenvorfall durch die falsche Haltung verursacht. In meinem Fall ist definitiv die falsche Haltung schuld. Ich sitze viel am PC und meine Haltung war alles andere als vorbildlich. Der menschliche Körper ist auch nicht dafür geeignet 8-10 Stunden in einer Position zu verharren. Es verhält sich doch so, dass wir Büromenschen mehr sitzen am Tag als das wir uns effektiv bewegen. Damit der Körper einen optimalen Ausgleich erhält, sollte man alle Stunde für 10 Minuten einmal den Arbeitsplatz verlassen, um sich zu bewegen. Außerdem sollte man auf seine Haltung achten. Nicht nur schief und krumm vor dem Monitor hocken. Man soll zwischendurch gerade sitzen oder auch mal Dehnungsübungen ausführen. Aber wer hält sich schon daran? Ich sitze in einem Großraumbüro und mir ist es sichtlich unangenehm, wenn ich auf einmal vor den ganzen Kollegen meine Übungen machen soll. Ich vermute so geht es einigen anderen auch. Übrigens die meisten Bandscheibenvorfälle sind im Bereich L4 und L5 (unterer Bereich im Rücken).

Was genau ist eine falsche Haltung?

Für die Bandscheiben ist es ganz schlecht, wenn man den ganzen Tag krumm sitzt. Also nach vorne gebeugt sitzt. Für eine kurze Zeit ist das völlig in Ordnung. Doch wenn man sehr viel krumm sitzt und das auch noch stundenlang ohne Pause, dann ist es absolut nicht gesund. Dann passiert nämlich folgendes. Die Bandscheibe wandert nach hinten. Man stelle sich einmal die Wirbelsäule vor. Zwischen den Wirbeln befinden sich die Bandscheiben. Diese sind vorne (Brustseite/) dicker als hinten (Rückenseite). Stell dir einfach ein Dreieck vor, wo die Spitze des Dreiecks nach hinten (Rückenseite) zeigt. Sitzt man den ganzen Tag krumm auf dem Stuhl oder sitzt halb liegend im Bett, dann wird vorne die breite Seite zusammen gedrückt. Verharrt man sehr oft und stundenlang in dieser Position, wird die Bandscheibe nach hinten gepresst. Das bedeutet die Bandscheibe wandert Stück für Stück Richtung Rückseite. Ist die Bandscheibe

dann nicht mehr mittig, sondern ragt nach hinten heraus, drückt sie in die Nerven. Denn an der Wirbelsäule laufen auch Nerven entlang. Die verschobene Bandscheibe, die nun in die Nerven drückt verursacht die Schmerzen und das ganze nennt man dann Bandscheibenvorfall. Ich habe dies einmal versucht sehr einfach auszudrücken, damit es besser verständlich ist. Denn bis vor kurzem war mir das alles auch nicht so bekannt. Mir hat mein Physiotherapeut das alles sehr einfach und anhand eines Klapper Emils (Skelett) erklärt.

Gibt es Heilung?

Ja, solange die Bandscheibe nicht zerstört oder defekt ist.

Wie werde ich wieder fit für den Alltag?

Zu Beginn wird man meist für zwei Wochen krank geschrieben. Das braucht man auch, weil die Schmerzen wirklich höllisch sind (kann bei jedem unterschiedlich sein). Zuerst lag ich viel und habe mir immer eine Wärmflasche gemacht und in den Rücken gelegt. Vom Arzt erhielt ich zwei verschiedene Tabletten, die ich jeden Tag nehmen musste. Die eine Tablette war, um den Schmerz zu lindern und die andere um die Entzündung zu nehmen. Zusätzlich erhielt ich eine Wärmetherapie. Ich musste eine Woche lang für ca 15 bis 20 Minuten mich auf ein gewärmtes Wasserbett legen und dann begonnen Massagedüsen meine Verspannungen zu lösen. Nachdem diese Prozedur abgeschlossen war und der Arzt mich gründlich untersucht hatte inklusive Blockaden lösen und Kernspint, wurde mir 6 x Physiotherapie verschrieben. Auf Empfehlung einer Arbeitskollegin meiner Mutter, landete ich bei einem sehr sympathischen Physiotherapeuten, der selbst an einem Bandscheibenvorfall litt und sich somit prima auskannte auf diesem Gebiet. Als erstes musste ich viele Fragen beantworten, damit er sich ein genaues Bild machen konnte von meinem Vorfall. Die allererste Übung, die ich erhielt, gehört mit zu den effektivsten. Man legt sich auf den Bauch und drückt sich mit den Händen und Unterarmen vom Boden ab.

Ganz langsam schiebt man sich in die Position der Kobra (Yoga Übung). Aber nur so weit wie es der Rücken zu lässt. Der Kopf bleibt in Verlängerung der Wirbelsäule. Diese Übung sollte ich 45 x wiederholen. Man empfahl mir diese Übung alle Stunde zu machen. Doch auf Arbeit ist das nicht möglich. Also kann ich diese Übungen nur morgens und abends machen. Achtung! Muskelkateralarm!

Später zeigte mir der Therapeut, wie ich generell Dinge richtig aufheben sollte, wenn ich mich bücken muss. Er zeigte mir weitere Sportübungen, die ich rückengerecht ausführen muss und er ließ mich wissen, dass ich für eine Zeit bestimmte Sportübungen oder Bewegungen meiden sollte. Derzeit darf ich keine Kicks ausführen oder Übungen wo man sich krümmen muss. Erlaubt ist viel Spazierengehen, joggen, schwimmen und Liegestütze. Der Physiotherapeut erzählte mir auch, sobald es den Patienten wieder besser geht, verfallen viele wieder in ihr altes Muster oder werden übermütig und erleiden einen Rückfall. So erging es auch mir. Prompt waren die Schmerzen geringer, wollte ich mich wieder normal bewegen und sitzen. Ich führte meine Übungen nicht mehr so aus, wie ich sollte. Tadaaa! Der Rückfall! Ich musste also wieder von vorne anfangen. Seit März beschäftigt mich mit diesem Bandscheibenvorfall. Mittlerweile habe ich seit 3 Monaten keinen normalen Sport mehr machen dürfen. Das ist natürlich für mich total deprimierend, denn ich gehöre zu den Personenkreisen, die Sport mögen und bei denen Sport auch etwas bringt. Da es mir besser geht, habe ich vor ein paar Tagen mit dem Joggen begonnen. Es tut meinem Rücken wirklich gut, die Schmerzen werden dadurch geringer.

Also habe ich nun auch das Radfahren getestet. Auch das klappt gut. Ich hoffe, mein Rücken erholt sich weiter. Bis aber ein Bandscheibenvorfall geheilt ist kann es schon 365 bis 550 Tagen

dauern. Das ist eine lange Zeit und man muss wissen, dass jede falsche Bewegung einen Rückfall auslösen kann.

Ein weiterer Nachteil war für mich, dass ich begonnen habe vermehrt zu naschen. Es war so frustrierend für mich keinen richtigen Sport mehr machen zu dürfen. Zusätzlich belastete mich der Gedanke, dass ich zunehmen würde. Denn ich leide an einer Schilddrüsenunterfunktion und muss L-Thyroxin einnehmen, damit die Hormone sich richtig einstellen können. Wer an einer Unterfunktion leidet hat mit Gewichtszunahme zu kämpfen. In meinem Fall ist es auch noch so, dass mein Hungergefühl stärker ist als bei anderen. Meist tritt dieser Nebeneffekt wieder verstärkt auf, wenn meine Medikamente nicht richtig dosiert sind. Für mich ist es ganz besonders wichtig auf keinen Fall zu zunehmen. Aber wenn man mit einer Schilddrüsenunterfunktion zu kämpfen hat, kann man innerhalb von 2 Wochen schon einmal 15 Kilo zunehmen. Diese wieder abzunehmen, ist natürlich etwas schwieriger. Deshalb gehe ich auch alle 3 bis 6 Monate zum Arzt. Dort werden regelmäßig meine Werte überprüft. Neben dem für mich unschönen Nebeneffekt des Zunehmens, hat mir auch noch mein Orthopäde mitgeteilt, ich dürfe nicht zunehmen, weil meine Muskulatur sich schneller abbaut als bei anderen. Eine Zunahme sei nicht gut für meine Knochen und Gelenke. Außerdem leide ich auch noch an einer übermobilen Flexibilität, was bedeutet mein Körper verlangt 5 x so viel Sport, wie ein normaler Körper.

3 Jahre später

Mittlerweile sind 3 Jahre vergangen. Vor zwei Monaten hatte ich einen erneuten „Rückfall“. Seit einem Monat bin ich krank geschrieben und gehe wieder täglich zum Training. Durch Stress, zuviel im Büroarbeiten, zu wenig Sport und durch einen Nährstoffmangel kam es zu einem erneuten Bandscheibenvorfall. Ich nahm an, dass es nicht erneut passieren würde, doch wenn du einmal einen Vorfall hattest, kann er jeder Zeit zurückkommen. Der Schmerz erinnert mich täglich daran auf mich zu achten. Ich hatte die letzten Monate mir einfach zuviel zugemutet. Ich hatte mein Rückentraining sowie meine Ernährung vernachlässigt.

Ein großer Fehler, der mich nun teuer zu stehen kommt. Wenn ich wieder schmerzfrei sein möchte, muss ich täglich meine Übungen machen und meine Ernährung wieder optimieren. Beide Komponenten sind immens wichtig!

Es ist möglich wieder schmerzfrei zu leben! Der Kampf ist hart und schmerzvoll, aber ich kann und werde es nicht akzeptieren, dass der Schmerz die Oberhand gewinnt!

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6 Comments

  • Toller Bericht! Mir erging es ähnlich 🙁 hab mit 30 meinen ersten Bandscheibenvorfall erlitten. Das ist jetzt ein halbes Jahr her und letzte Woche ein kleiner Rückfall. Ich bin frustriert aber kämpfe weiter !

  • Hi Carina,
    Danke 🙂 Ja, das ist wirklich frustrierend. Ich kann das absolut nachvollziehen. Ich kämpfe auch wieder mit einem kleinen Rückfall. Sobald man aufhört auf die Sitzhaltung zu achten und den Sport reduziert, machen sich meine kleinen Bandscheiben wieder bemerkbar. Versuche immer daran zu denken, dass du es schaffen wirst, wieder schmerzfrei zu sein! Mein Physiotherapeut hat mir gesagt, jeder erleidet immer einen ersten Rückfall oder auch zweiten. Erst wenn man seine Übungen und sein bestimmtes Verhaltensmuster was das ausgelöst hat ändert, geht es bergauf! 🙂

  • Hi, hatte heute Nacht ein halbes Jahr nach meinem 3. Bandscheibenvorfall einen mächtigen Rückfall und mache seit dem und immer wieder deine Übungen und…. stehe senkrecht und fast schmerzfrei . Klasse. Du machst mir Mut. Das bekomme ich doch in den Griff. Danke!!

  • Das freut mich wirklich zu hören! Genau wie du hatte ich auch Rückfälle, aber wenn man sich echt an die Übungen hält geht es nur noch bergauf. Mittlerweile kann ich sogar wieder normal Sport mitmachen. Ich freue mich wahnsinnig für dich, dass es dir besser geht! Das gibt so viel Lebensqualität zurück! 🙂

  • Hab deinen Artikel gerade gefunden. Bei mir wurde heute auch ein Bandscheibenvorfall diagnostiziert (ich bin 19 und „schlank“ wie der Arzt sagte) und ich bin mal gespannt wie es jetzt weitergeht. Zudem habe auch ich eine Schilddrüsenunterfunktion..
    mich würde es echt interessieren, wie es heute bei dir aussieht!

  • Ja, Bandscheibenvorfälle können zeimlich schmerzhaft sein. Bei einigen muss es aber nicht der Fall sein. Eins kann ich dir sagen, wenn du Übungen machst, wird es definitiv besser. Mir hat mein Physiotherapeut einige gezeigt, die mir sehr halfen. Ich hab bei Youtube dazu auch meine erste Übung gezeigt https://www.youtube.com/watch?v=q6JflR6l1Lc . Ich wollte noch wesentlich mehr Videos machen aufgrund der Erfahrungen. Kommt noch 🙂 Hatte bisher nur 2 Videos dazu gemacht. Aber ich kann dir 100% versichern, wenn du die Physio machst und am Ball bleibst, kannst du auch wieder normal Sport machen. Wenn du Sport liebst, wird es dir leichter fallen. Wenn du ein Sportmuffel bist, musst du dich zum Sport zwingen. Denn nur ein durchtrainierter Körper kann dir helfen. Viele Bandscheibengeplagte machen nichts aufgrund der Schmerzen und das ist dann der Fehler. Zur schilddrüsenunterfunlktion, die hab ich auch – Hashimoto. Das ist eine autoimmun Erkrankung, die sich auch mit auf das Befinden auswirkt (Hormone/ Laune). Selbst darüber hab ich einen Post geschrieben, weil mich das eben beschäftigt. Wenn man nämlich weiss, warum man manchmal so fühlt, und weiss, dass die schilddrüse damit zu tun, hilft das einem auch. Ich muss zb L-Thyroxin einnehmen. Vermute du dann wohl auch. Alle paar Monate sollte man dann Blut abnehmen lassen um den Wert zu checken für die Schilddrüse.

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