HORST MUSS RAUS!

Was bei mir schon wieder los ist, das glaubt kein Mensch. Noch vor einiger Zeit musste ich mich mit Hashimoto ungewollt anfreunden. Diese Freundschaft ist nach wie vor mit einer gewissen Antipathie behaftet. Man versucht auf freundschaftlicher Basis den Waffenstillstand zu wahren. Und nun habe ich auch noch einen unerwünschten Mitbewohner. Richtig gelesen. Ich bin unfreiwillig in eine Wohngemeinschaft geraten. Wie das nur passieren konnte? Ich habe um ehrlich zu sein nicht den blassesten Schimmer. Gut, man könnte meinen, ich wohne bereits in einer WG mit meinen Tieren und Freund. Doch diese Wohngemeinschaft, die ich meine ist eine ganz andere Art. Ich kann nicht einmal genau sagen, wann Horst eigentlich bei mir eingezogen ist. Er war irgendwann einfach da. Mit Sack und Pack hatte er es sich einfach bei mir bequem gemacht. Im Grunde war er ein stiller Mitbewohner. Vermutlich habe ich ihn deshalb nicht gleich wahrgenommen. Eines Tages aber schien Horst die Nase voll zu haben, dass ich ihn mit Nichtbeachtung strafte. Natürlich war das meinerseits völlig unabsichtlich gewesen. Damit ich ihm Beachtung schenkte, spielte er mir Streiche. Zu Beginn sah ich noch drüber hinweg. Mittlerweile ist aus dem Spaß aber bitterer ernst geworden. Horst entwickelte ein massives Agressionspotential. Er verabreichte mir irgendwelche abführenden Substanzen, meckerte über mein Essen und randalierte, dass die Bude wackelte. Es herrschten katastrophale Zustände. Vermutlich hatte Horst einfach nur eine schwere Kindheit gehabt, aber das gab ihm noch lange nicht das Recht meine Nerven deart zu strapazieren. Also fasste ich mir an Herz und stellte den Störenfried zur Rede.

“Horst, hör mal. So geht das echt nicht weiter. Du bist ohne mich je zu fragen einfach eingezogen. Ich habe das stillschweigend geduldet, aber genug ist genug!” Als Antwort erhielt ich nur ein unterschwelliges Murren. Also redete ich weiter. “Ich denke, es ist an der Zeit, dass du deine Siebensachen packst und dir eine neue Behausung suchst!” “Pah, ich denke gar nicht daran! Was meinst du, wie  lange ich nach so eine Bude wie diese hier gesucht habe!” Ich glaub mich laust der Affe! Das war doch wohl nicht sein ernst? Ich versuchte mich zu zügeln und wählte die Worte möglichst  freundlich. “Das mag alles sein. Doch du vergisst, dass mir das alles gehört. Somit obliegt mir die finale Entscheidung. Ich möchte, dass du bis morgen ausgezogen bist!” “Das könnte dir so passen! Ich habe gerade angebaut und weitere Pläne für meine Raumerweiterung!” Ich glaub ich hatte mich wohl verhört! Was bildete sich dieser Parasit eigentlich ein? 

Ich schmiedete heimliche Pläne den Quälgeist loszuwerden. Als allererstes kaufte ich nur noch Lebensmittel, die er so gar nicht mochte. Letztendlich brachte mir das leider gar nichts, außer dass ich krank im Bett lag. Denn schlau wie Horst war, roch er den Braten und drehte den Spieß einfach um. Sehr zu meinem Ärgernis. Also musste Plan B greifen. Ich startete einen Hungerstreik. Er würde schon sehen, dass ich nervlich am Limit war und aus Mitleid würde er sicherlich ausziehen. Fehlanzeige! Horst wurde richtig zornig und startete ein Attentat auf mich. Zum Glück überlebte ich seine lächerliche Tirade. Gesundheitlich ging es aber trotzdem bergab mit mir. Schlaflose Nächte raubten mir meine Kräfte. Irgendwann entschied ich mich dafür, dass Horst und ich eine Therapie machen mussten. Es gab sicherlich Therapeuten für “Wie werde ich ihn endlich los in weniger als 10 Tagen” oder “Endlich WG frei”. Horst musste raus, soviel war klar. Außerdem war mein Freund von Horst auch schon genervt. Mädels, passt bloß auf wen ihr mit nach Hause schleppt! Er könnte bleiben! Fader Nachgeschmack mit bösen Folgen!

Letztendlich landeten Horst und ich wirklich in einer Langzeittherapie. Eigentlich hatte ich gehofft, dass das Ganze wesentlich rasanter von der Bühne gehen würde. Laut Therapeuten, sollte ich mich in Geduld üben. Geduld war mittlerweile das Letzte was ich besaß. Zuhause grübelte ich über weitere Alternativen nach. Plötzlich durchfuhr mich ein Geistesblitz. Hatte der Therapeut nicht noch gesagt, es gäbe da etwas, um unliebsame Mitbewohner loszuwerden? Genau! Horst würde sterben müssen! Das war der einzige Ausweg, um meinem Leiden ein Ende zubereiten. Er wollte nicht ausziehen, also musste er halt den Löffel abgeben! Frohen Mutes besorgte ich ein paar Pillen, die ihm den Garaus machen sollten.

“Was machst du da?” Völlig entgeistert starrte Horst mich an. “Nichts!” Skeptisch beäugte der kleine Wurm mich. “Du führst doch irgendetwas im Schilde! Ich weiß, doch dass du mich loswerden willst!” Ich grinste nur vor mich. Sollte er doch denken was er wollte. Mit einem Schluck Wasser spülte ich die Tablette hinunter. Jetzt hieß es nur noch abwarten. Wenige Tage später schien Horst wieder einen kleinen Ausraster zu haben. “Was hast du mir da angetan? Ich fühle mich richtig beschissen!” “Gut so! Endlich geht es dir auch mal so richtig kacke, wie es sonst mir die letzten Monate ging!”, spie ich ihm entgegen. Gott, tat es gut diese Genugtuung zu spüren! Etliche Pillen später war es dann soweit. Horst war tot. Zu allerst verspürte ich Erleichterung. Doch dann überfiel mich das schlechte Gewissen. Ich hatte einen Mord begangen. Das musste man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Ich hatte da jemanden auf dem Gewissen gehabt. War so etwas eigentlich verzeihlich? Es handelte sich hierbei zwar nur um einen Bandwurm mit dem legendären Namen Horst Würmerich, aber dennoch hatte ich einem Lebwesen den Garaus gemacht.

Weitere Themen:

Written By
More from strasskind

ENTDECKE DIE KÜNSTLERIN IN DIR

Anzeige Entdecke die Künstlerin in dir Das Internet ist Fluch und Segen...
Read More

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.