DER BABYBOOM IM FREUNDESKREIS

Es ist wie ein Lauffeuer, welches sich über das ganze Land ausbreitet. In meinem Fall hat es sich nur auf mein Umfeld ausgebreitet. Nahezu alle meine Freundinnen waren oder sind schwanger. Das Jahr 2016 schien eindeutig ein Babyboom Jahr zu sein. Selbst die Zeitungen untermauerten meine Vermutung. Es gab lange keine so hohen Babyzahlen mehr seit 1982. Deutschland galt lange Zeit als das sterbende Land aufgrund vieler alter Menschen und zu wenig junger Leute. Viele sind auch der Meinung, wir müssten den Babyboom fördern, um so unsere Rente zu sichern. Wer sich einmal die traurige Bilianz zum Thema Rente genauer ansieht, wird herbe enttäuscht werden. Auf zukünftige Rentner kommt lediglich eine kleine mickrige Rente. Da bleibt nicht allzu viel übrig nach jahrelanger Einzahlung als braver “Arbeiter”. In meinem Umfeld hingegen war dies nie der Grund, um ein Kind zu bekommen. Allen Anschein nach schien es die perfekte Vorstellung vom Leben. Man verliebt sich. Man bindet sich. Man sucht ein Nest und dann besiegelt man das Glück mit einem Baby.

Es gibt Momente im Leben, die auch in der Wiederholung nichts von ihrem Zauber verlieren.

Der Babyboom unter FreundenVersteht mich nicht falsch. Es ist nicht so, dass ich mich nicht über das Glück der Paare in meinem Umfeld freue. Es macht mir einfach nur bewusst, dass die Zeit sich geändert hat. Eine Familie zu gründen ist immer mit Veränderungen verbunden. Es bedeutet, dass man weniger Zeit für den Freundeskreis oder andere Dinge haben wird. Der Fokus konzentriert sich komplett auf das neue Leben, welches völlig abhängig von den Eltern ist. Das liegt in der Natur. Während und nach der Schwangerschaft sind Mütter noch einem explosiven Hormoncocktail ausgesetzt. Manche Männer treibt es in den Wahnsinn und andere bemerken kaum etwas davon. Ohne Frage ist es sicherlich eine sehr aufregende Zeit, wenn ein neues Leben in einem erwacht und man die Veränderungen spürt. So wie das Leben heranreift, so reift auch die Liebe zu dem Ungeboren heran.

Ich kann mir nur schwer ausmalen, wie es ist. Ich kann lediglich mutmaßen und dem Glauben schenken was mir alle frisch gebackenen Mütter berichten. Obwohl ich mich für meine Freundinnen freue, hat sich etwas grundlegend verändert. Während wir früher im selben Kreise verkehrten, ist nun ein neuer Kreis entstanden. Während die meisten sich im neuen Kreis befinden und sich ihre Sichtweise verschoben hat auf bestimmte Dinge, stehe ich noch wie zuvor im alten Kreis. Ich fühle mich von Zeit zu Zeit ausgegrenzt, denn ich teile nicht die gleichen Emotionen und Interessen. Während ich mir Gedanken um meine Zukunft mache, leben meine Freundinnen ihre Zukunft. Sie wussten von Anfang an was sie wollten und erfüllten sich alle ihre Träume und Ziele. Ich bin Gefangene im eigenen Kreis. Ich versuche meinen Horrizont zu erweitern, versuche meine Zukunft zu finden und versuche nach den Sternen zu greifen.

Der Babyboom ist wie ein Feuer. Es breitet sich aus.

Der Babyboom mit Freunden

Der BabyboomOhne Verständnis, blickten meine Freundinnen mich an. Ich solle mich nicht mit Ihnen vergleichen, und ich wolle doch eh keine Kinder. Man ist doch noch immer der gleiche Mensch. Fakt ist jedoch, dass man als Mutter nicht mehr so unbekümmert sein kann. Als Mutter hat man Verantwortung für die Familie. Da kann man nicht mehr wie früher sich spontan treffen oder gemeinsam verreisen. Bei den meisten Verabredungen wird das Kleine dabei sein und Bedarf der vollen Aufmerksamkeit. Die Gespräche verändern sich. Im Mittelpunkt des Leben steht nun das Kind. Es mag sein, dass Mütter das nicht gern hören mögen, aber die Sichtweisen zwischen Müttern und Nichtmüttern ist differenziert. Das ist auch völlig in Ordnung. Dennoch bleibt das Gefühl meinerseits, dass an mir etwas vorbei gerauscht ist.

Ich frage mich ständig, ob es richtig ist keine Kinder zu wollen. Manchmal frage ich mich, ob ich nicht doch eines bekommen sollte, bevor der Zug ganz abgefahren ist und ich mich um die Erfahrung selbst beraube. Ich wüsste nicht einmal, ob ich eine gute Mutter wäre. Aber aus meinen Katzen ist ja auch etwas geworden. So viel anders kann das wohl nicht sein, aber das kann ich nicht wirklich beurteilen.

Für eine Zeit halten wir deine kleinen Hände fest. Dein Herz aber ein Leben lang.

Der Babyboom und Freunde

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2 Comments

  • Schöner und zum Nachdenken anregender Artikel…und ich kann alles bestätigen, was Du schreibst…nur eins nicht ganz: ich bin kein neuer Mensch geworden, ich bin komplettiert worden…:-)

  • Danke schön. Das hast du aber sehr schön ausgedrückt 🙂 Ja, alle Mütter bestätigen, dass es ein tolles und komplettes Gefühl ist. Es ist ja auch schön dich so zu strahlen zu sehen. Immer wenn wir uns treffen bist du so voller positiver Energie, dass finde ich immer sehr bewundernswert

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